paying tribute

TRIBUT ZOLLEN

Wie das Finden einer Harley-Davidson® mein Leben veränderte

Story und „Beach“ - Foto von Peter Mark (Auszug aus seinem Blog CBC.ca) | Weitere Fotos von Brent Cooke

Sie haben wahrscheinlich schon von der Harley-Davidson® gehört, die Monate nach dem zerstörerischen Tsunami von 2011 in Japan an einem Strand in Kanada angespült worden ist. Die Geschichte hat zahllose Menschen bewegt – und das Motorrad ist jetzt im Harley-Davidson Museum® in Milwaukee ausgestellt. Aber niemand war stärker davon betroffen, als der Mann, der es fand. Die folgenden Textauszüge stammen aus einem Blog, das auf CBC.ca von Peter Mark veröffentlicht wurde, dem Mann, der das Motorrad an der Küste von British Columbia, in der Nähe der Queen Charlotte Islands, fand.

Der Container wurde an einem einsamen Strand etwa 50 Kilometer südlich von Rose Spit angespült. Als ich das Motorrad sah, war ich schockiert. Ich konnte die Maschine aus der Ferne sehen, doch erst als ich näher kam, konnte ich das Nummernschild erkennen: ein verbogenes, von Algen überkrustetes Stück Metall mit japanischen Schriftzeichen darauf. Wir wussten, dass Tsunami-Trümmer kommen würden, aber ich hatte niemals mit so etwas Großem gerechnet, nicht so schnell und schon gar nicht mit einer Harley-Davidson!

Mein erster Gedanke war: „Was?“. Mir wurde bewusst, dass das in meinem Garten hätte stehen könnte, ein Gegenstand, der einem meiner Nachbarn hätte gehören können. Dies war das Eigentum eines Menschen, der vielleicht alles verloren hatte, möglicherweise sogar sein Leben.

Unter der Glasfaserverkleidung war eine dicke Styroporschicht, die den Container schwimmfähig gemacht hatte. Wie das Bike und die anderen Gegenstände den ganzen Weg über den Pazifik hinweg im Container geblieben sind, ist mir ein Rätsel. Das Bike war nicht festgezurrt und die Tür des Containers war abgerissen. Als ich vom Strand nach Hause kam, erzählte ich einigen anderen Strandgutsammlern und Freunden von dem Fund. Es sprach sich schnell herum. Bald darauf setzte sich CBC mit mir in Verbindung, und ich sagte ihnen, dass ich ihnen die Fahrgestellnummer und Fotos des Nummernschildes geben würde, damit sie die Herkunft des Bikes bestätigen konnten, bevor sie die Geschichte veröffentlichten. Sie riefen sofort zurück. Man sagte mir, dass das Nummernschild in der Präfektur Miyagi registriert war, einem der am stärksten vom Tsunami betroffenen Gebiete.

 

Die CBC brachte die Geschichte am Abend des 29. April. Ich war nicht darauf vorbereitet, wie viel Aufmerksamkeit die Geschichte erregen würde. Ralph Tieleman aus Vancouver Island kontaktierte mich kurz darauf und fragte mich, ob ich das Motorrad bergen könnte. Ich hatte nicht darüber nachgedacht, denn das Bike war in einem so schlechten Zustand, dass ich der Meinung war, man könnte nicht mehr viel damit anfangen. Ich dachte, es würde am Strand bleiben, als Mahnmal für den Tōhoku-Tsunami. Ralph bot mir an, das Motorrad mithilfe seiner Freunde zu restaurieren und es seinem Besitzer zurückzugeben, wenn dieser ausfindig gemacht werden könnte. Wir wussten, dass das ein sehr teures Unterfangen werden würde. Das Bike war praktisch zerstört. Sie würden das Bike bis auf den Rahmen zerlegen und dann fast noch einmal von vorn anfangen müssen. Ich sagte zu – am nächsten Tag zogen meine Freunde und ich los und bargen das Motorrad.

In den folgenden Tagen hatte ich Interviews mit vier oder fünf großen Nachrichtenagenturen in Nordamerika und in Japan! Am späten Abend am 30. April rief mich ein japanischer Nachrichtenkorrespondent an, der in Kalifornien stationiert ist. Die gute Nachricht war, dass der Besitzer des Motorrads (Ikuo Yokoyama) lebte!

Ikuo verlor drei Familienmitglieder, darunter seinen Vater und seinen Bruder. Sein Haus, der Container im Garten, den er als Garage für sein Motorrad benutzte, und alles, was er besaß, wurde von der verheerenden Welle weggespült. Ich freute mich sehr, dass Ikuo noch lebte, doch es erschütterte mich, daran zu denken, wie viele andere es nicht geschafft hatten. Ikuo lebt derzeit wie Tausende andere auch in einer Behelfsunterkunft. Der Mann der CBC zeigte mir ein Online-Videointerview von NHK mit Ikuo. Er sah sich Fotos des Motorrads an, die ich aufgenommen hatte. Er brachte zum Ausdruck, wie froh er über den Fund und die Rückgabe war. „Ein Wunder!“, sagte er. Er wollte auch mir danken.

Dann griff Harley-Davidson® ins Geschehen ein. Sie hörten, was Steve Drane und Ralph Tieleman planten, und beschlossen, die Restaurierung zu finanzieren. Sie setzten sich mit Herrn Yokoyama in Verbindung und erzählten ihm von der geplanten Restaurierung. Obwohl er sein verlorenes Motorrad sehr gerne zurückhaben wollte, lehnte Ikuo das Angebot ab. Er sagte, dass er finanziell nicht mehr dazu in der Lage sei, ein Motorrad zu unterhalten, und dass es in der Behelfsunterkunft auch keinen Platz dafür gäbe. Er fand es unfair, so viel für sein Motorrad auszugeben, während andere gar nichts mehr hatten. Es ist sehr ehrenvoll, dass Ikuo die Bedürfnisse seiner Gemeinschaft und anderer über seine eigenen Hoffnungen und Sehnsüchte stellte. Harley-Davidson bot ihm an, das Geld, das für die Reparatur erforderlich gewesen wäre, stattdessen in Ikuos Namen einer Tsunami-Hilfsorganisation zu spenden. Ich ziehe den Hut vor Harley-Davidson, Steve Drane und Ralph Tieleman, denn sie haben die Sache in die Hand genommen und das Richtige getan.