Jeweller. Model. Influencer. Imogen Lehtonen is a very modern type of Harley-Davidson motorcycle rider

Schädel, Ringe, Rock ’n’ Roll

Juwelierin. Model. Influencerin. Imogen Lehtonen steht für einen sehr modernen Harley-Davidson Fahrertypus


Text: Jeremy Pick
Fotos: Autumn Spadaro

Wer sich für Rock ’n’ Roll interessiert, dürfte schon mal vom Schmuck der Silberschmiede von The Great Frog gehört haben. 1972 wurde der kleine Juwelierladen in der berühmten Carnaby Street in London gegründet und mit den charakteristischen Totenschädel-Ringen und dem ausgefallenen alternativen Schmuck rasch zu einer Ikone der Rock-’n’-Roll-Ästhetik. Lemmy, Slash und Ozzy Osbourne gehörten zu den frühen Fans. Johnny Depp und Arnold Schwarzenegger sind Kunden. Stücke von The Great Frog sind in Harry-Potter-Filmen zu sehen und werden von Joker in Suicide Squad getragen. Motörhead, Slayer und Iron Maiden haben mit der Firma zusammengearbeitet. Jetzt entdeckt eine neue Generation von Stars der Hip-Hop- und alternativen Musikszene, darunter Post Malone, die Arctic Monkeys und Lady Gaga, den Schmuck von The Great Frog.

Die Marke leben
Imogen Lehtonen, die Nichte der Gründer, verkörpert die Einstellungen von The Great Frog: Sie ist Freigeist, Musikliebhaberin und Harley® Fahrerin. Vom Geschäft in der Melrose Avenue in Los Angeles aus geht Lehtonen mit ihrem in Handarbeit gefertigten Schmuck, ihrem Bekenntnis zur Biker-Kultur und über ihre Instagram-Follower auf eine neue Generation zu.

The Great Frog nimmt im zeitgenössischen Schmuckdesign eine Ausnahmestellung ein. Früher, als Totenschädel das ästhetische Statement einer Subkultur waren, stellte kein anderer Gold- oder Silberschmied Schädel-Ringe von Hand her. Das erkannten auch die Musiker und Exponenten der Gegenkultur. Sie schätzen die Authentizität der Firma und die Ehrlichkeit, mit der sie ihren Wurzeln treu geblieben ist. Es sind Werte, die bei Musikern von heute genauso gut ankommen wie bei denen der frühen 70er Jahre.

Eine gemeinsame Leidenschaft
„Motorräder, Musik und Tattoos haben schon immer das Umfeld definiert, in dem The Great Frog tätig war, und all diese Dinge liebe ich auch. Es ist also ganz natürlich, dass ich mit dem, was ich normalerweise tue, für die Firma werbe“, sagt Lehtonen. „Mein Vater war ein erstaunlicher Mensch und ein begeisterter Motorradfahrer. Er brachte mich auf dem Rücksitz seiner Maschine zur Schule. Er ist mein größtes Vorbild und wird es immer bleiben. Er hatte in seiner Brieftasche immer ein Foto von seiner alten Panhead dabei, die er an einen Freund verkauft hatte, bevor er in die Vereinigten Staaten ging, um The Great Frog aufzubauen, zuerst in Großbritannien, dann auch in Neuseeland. Vierzig Jahre danach ging er zurück und spürte das Bike auf. Und jetzt fährt es mein Cousin in London.

„Leider starb mein Vater vor fünf Jahren, doch ich habe tolle Erinnerungen an Ausfahrten mit ihm. Er hat mir das Motorradfahren näher gebracht und es wurde unsere gemeinsame Leidenschaft. Wenn ich jetzt ausfahre, fühle ich mich ihm am nächsten – er ist dann bei mir.“

Einmal Custom, immer Custom
Gleich nach ihrem Umzug in die Vereinigten Staaten kaufte sie sich eine Harley-Davidson®. „Ich mag die Ästhetik, die Marke und wofür sie steht – sie passt genau zu Amerika und zum Gefühl der Freiheit und der unbeschränkten Möglichkeiten. Zu diesem Gefühl, dass du auf ein Motorrad steigen und wochenlang fahren und Neues sehen und erleben kannst.“

Mittlerweile besitzt Lehtonen zwei H-D® Motorräder, die sie oft in ihrem Instagram-Auftritt vorstellt. Eine 1200 Sportster® ist ihr Bike für die Stadt. Für längere Fahrten hat sie eine FXR Modell 1994. Klar, dass beides Custom-Bikes sind, die sie ihrem persönlichen Stil angepasst hat.

„An der Sportster habe ich am meisten gearbeitet, um sie meinem Geschmack und meinem Fahrstil anzupassen, und nun bin ich vollkommen verliebt in sie“, sagt Lehtonen. „Die Gabel vorne ist um vier Zoll verlängert und ich habe Custom-Fußrasten in mittlerer Höhe. Das Bike ist ein tolles Stadtmotorrad. Für längere Touren habe ich die FXR. Ich bin praktisch veranlagt und habe selbst an den Maschinen gearbeitet. Im Beruf arbeite ich handwerklich – ich löte, schleife, hämmere, oxidiere und poliere Schmuck. Also ergibt sich das von selbst. Das hat meine Liebe zu älteren Motorrädern beflügelt. Ihr Sound und Feeling und ihre Power sind einzigartig. Man kann wirklich einen Stil kreieren, der zu einem passt.“


Auf der Straße
Auch Motorradfahren spielt für Lehtonen beruflich eine Hauptrolle. „Führ mich ist Fahren Therapie. Das Motorrad war in den letzten acht Jahren mein primäres Verkehrsmittel, und es macht mich glücklich. Ich habe Yoga und Meditation probiert, aber die beste Methode, um den Kopf frei zu kriegen, ist die Fahrt von den Bergen zur Arbeit nach LA. Oft steige ich ab und habe dann ein Problem geknackt, das mich beschäftigte. Und auf der Fahrt nach Hause finde ich Entlastung von den Gedanken an alles, was sonst noch los ist.

„Ich mag lange Touren. Die letzte große Tour habe ich mit Norman Reedus aus The Walking Dead gemacht. Er kam in den Laden, um seinen Schädel-Ring abzuholen. Daraus wurde eine Fahrt die Küste entlang nach Norden, und wir haben das Ganze gefilmt als erste Folge seiner Reiseserie Ride with Norman Reedus. Ich würde gerne bald wieder eine lange Tour machen, vielleicht nach Mexiko und zurück oder ins nördliche Kalifornien zum Camping am Fluss mit Rucksack und Zelt.“

Eine andere Fahrt, an die sie sich sehr gerne erinnert, war eine Überlandtour 2015 mit einer Dyna® Wide Glide® über fast 10.000 km von Brooklyn nach San Francisco in 38 Tagen. Sie war mit einer Gruppe junger Motorradfahrerinnen und Influencerinnen unterwegs nach Sturgis. „Das hat echt Spaß gemacht“, erinnert sich Lehtonen. „Ich mag das Feeling wenn ich mit einer Gruppe von Gleichgesinnten unterwegs bin, mit guten Fahrern, mit denen ich ein gutes Gefühl habe. Aber genauso gerne steige ich einfach aufs Motorrad und fahre los. Ich fahre eben einfach für mein Leben gern.“

Imogen Lehtonen @imogenocide